Blog der Präsidentin

eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
23.03.2021

Istanbul Konvention

Wir setzen uns für Frauen ein ...

Die Istanbuler Konvention ist eines der wichtigsten Mittel zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt. Wir bedauern zutiefst den Austritt der Türkei aus diesem Abkommen, wodurch die schon prekäre Situation der Frauen in der Türkei zusätzlich gefährdet wird.
Wir fordern die Österreichische Regierung auf, sich einzusetzen, damit in anderen Länder die Rechte und die Sicherheit von Frauen gewährt wird sowie, dass die finanziellen Mitteln zur Verfügung gestellt werden, um die Umsetzung der Konvention auch hierzulande zu gewährleisten.

Soroptimist International setzt sich seit 100 Jahren für die Rechte von Frauen und Mädchen ein.


 

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eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
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01.03.2021

Barrikaden oder Blumen zum Weltfrauentag?

IWD 2021 – #ChooseToChallenge

Soroptimist International ist die weltweite größte Organisation berufstätiger Frauen und feiert heuer ihr hundertjähriges Jubiläum. Im Jahr 1921 wurde auch der Weltfrauentag erstmalig und weltweit am 08. März gefeiert.

Seit der Gründung der Soroptimistinnen hat sich viel im Bereich der Frauenrechte getan. In allen europäischen Ländern sind Frauen wahlberechtigt, die Vergewaltigung der Ehefrau ist im Straftatbestand in den Gesetzbüchern verankert und Frauen können  ihren Beruf und ihren Aufenthaltsort frei wählen – aber dennoch bedeutet Gleichberechtigung nicht Gleichstellung.
Das Bild der Frauen hat sich in den letzten hundert Jahren immer wieder verändert und damit auch die Rolle, die die Frau in der Familie, im Beruf und der Gesellschaft einnimmt.

Die noch immer vorhandenen patriarchalischen Strukturen unserer Gesellschaft bewirken  nach wie vor, dass Frauen fast das Doppelte an unbezahlter Arbeit im Haushalt, der Kinderbetreuung und für pflegebedürftigen Angehörigen erledigen als Männer. Die Folge ist oftmals, dass Frauen ihren bezahlten Beruf nur in Teilzeit ausüben, um unbezahlte Arbeiten erledigen zu können. Die Folgen daraus sind geringere Karrierechancen, finanzielle Abhängigkeit und vieles mehr. Nicht immer wurde das nur von den Männern erzwungen.

Wir müssen den Weltfrauentag insbesondere nützen, um ein allgemeines Umdenken in unserer Gesellschaft zu bewirken. Chancengleichheit, Männerkarenz, allgemeine Beteiligung an der politischen sowie unternehmerischen Führung, sowie Teilung des Aufwandes an unbezahlter Arbeit sollen eine Selbstverständlichkeit werden, auch wenn das bedeutet, dass wir Quoten fordern, um das zu bewirken, was schon seit länger als 100 Jahren eine Selbstverständlichkeit sein sollte!

Eliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022

 

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eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
21.02.2021

EQUAL PAY DAY

Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung

Der Equal Pay Day rutscht jedes Jahr ein Stückchen weiter nach vorne   von 2019 auf 2020 um 1 Tag und von 2020 auf 2021 um 4 Tage auf den 21. Februar. Ein Grund zum Feiern? Nein, solange noch immer Frauen für die gleiche Tätigkeit fast 2 Monate umsonst arbeiten, ist jede Verbesserung zwar gut, aber noch nicht gut genug!

Österreich hat einen der höchsten Einkommensunterschiede in der Europäischen Union und gerade deswegen sind oft auch erwerbstätige Frauen von ihren Ehemännern finanziell abhängig. Die Folgen daraus brauchen wir hier jetzt nicht aufzuzählen.

Wir wissen, dass Frauen aber etwas über das Doppelte an Stunden unbezahlter Arbeit erledigen als ihre männlichen Partner. In Familien mit Kindern noch um einiges mehr. Wenn man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammenrechnet leisten Frauen oft mehr Arbeit als ihre Partner.
Wenn wir außerdem berücksichtigt, dass Frauen mit Kindern in Österreich überdurchschnittlich oft in Teilzeit arbeiten, dann erklärt sich die finanzielle Abhängigkeit vieler Frauen. Österreichweit liegt die Teilzeitquote von Frauen derzeit bei fast 50 Prozent, bei Männern ca. 10 Prozent, wobei es gravierende Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt.  75 Prozent der Frauen, die nicht Vollzeit arbeiten, tun dies wegen Kinderbetreuungspflichten. Bei Männern ist die Motivation meist eine andere: hier steht mit 43 Prozent, so mehr Zeit für persönliche Interessen und Hobbys zu haben, an erster Stelle.

Daran merkt man, dass der Weg zu einer Gleichstellung und Chancengleichheit am Arbeitsmarkt noch mehrere Maßnahmen benötigt; in erster Linie benötigen wir ein Umdenken.
In Österreich sagen mehr als die Hälfte der Frauen, dass Kinder darunter leiden, wenn Mütter Vollzeit arbeiten (in Schweden und Dänemark teilen diese Meinung nur 20 Prozent). Dies beruht auf der Überzeugung, dass Frauen in erster Linie verantwortlich für die Pflege und die Erziehung ihrer Kinder sind. Hier muss ein Umdenken einsetzen. Frauen und Männer sollen gleichgestellte Partner am Arbeitsmarkt sowie in der Familie sein!

Es muss sich etwas ändern! Wir fordern:  Gleiches Teilhaben am Arbeitsmarkt, der Wirtschaft und der Politik, gleiche Bezahlung für gleiche Leistung, Recht auf Sicherheit und Monitoring der Gleichstellungspolitik. Väter müssen in Karenz gehen, die Hälfte der Verantwortung tragen für alles was unbezahlte Arbeit mit sich bringt und es muss volle Lohntransparenz in den Betrieben geben.

Dann müssen wir nicht mehr über einen Equal Pay Day nachdenken!

 

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eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
23.12.2020

Weihnachten und die Besinnlichkeit

Gedanken zum Jahreswechsel

Ich bin in Italien aufgewachsen und habe schon immer ein Problem mit dem Wort „besinnlich“, das hierzulande immer wieder mit Weihnachten in Verbindung gebracht wird. Auf Italienisch gibt es kein positiv besetztes Wort, um Besinnlichkeit zu übersetzen – und ich weiß auch warum: ich will zu Weihnachten nicht besinnlich sein!!!

Mein Wunsch für Weihnachten (und das wäre es auch heuer) ist Zeit mit Freunden zu verbringen und diese zu umarmen, auf Christkindlmärkten mit einem Becher Glühwein zu schlendern, in der Stadt zu bummeln und Lichter zu bewundern, noch für jeden ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen und das alles indem ich gleichzeitig meine Arbeit erledige (warum will immer jeder alles noch vor Weihnachten?), um dann am Heiligen Abend mit meiner großen Familie ein lautes, lustiges, nettes Fest zu verbringen.

Also kein Platz für Besinnlichkeit – und speziell heuer können wir es uns doch eingestehen:  wir hatten seit März mehr als genug Zeit „zum besinnlich sein“!

Etwas gibt es aber doch, das uns nachdenklich und besinnlich machen sollte: Weihnachten ist für viele Frauen keine fröhliche Zeit. Gewalt in der Familie hat vor und um Weihnachten schon immer dramatischen zugenommen und Einsamkeit im Alter ist eindeutig ein überwiegend weibliches Problem. Wir wissen auch, dass Frauen zu den einkommen-schwächeren Bevölkerungssichten gehören, die sich öfter alleine um ihre Kinder kümmern und so gibt es auch heuer viele Frauen, die ihren Kindern keinen Wunsch erfüllen und kein glitzerndes Fest bescheren können ... und damit spreche ich nicht über all das, was heuer noch schwieriger ist, aufgrund von Corona.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Fest, eine kurze Auszeit aus schwermütigen und besinnlichen Gedanken, ein Fest, in dem wir aus der Ferne die Nähe zu denen, die wir lieben, spüren und die Zeit mit denen genießen, die um uns sind.

Frohe Weihnachten und ein gutes gesundes neues Jahr.

 

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eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
25.11.2020

Nur wenn wir alle umdenken ...

... können wir Gewalt an Frauen besiegen!!!!.

Frauen erleben an vielen Orten Gewalt, an öffentlichen Orten, am Arbeitsplatz und in der Familie, und auch viele Formen der Gewalt von physisch bis zu psychisch.  Nur durch Schaffung von Bewusstsein können wir etwas bewegen.

Seit Jahrzehnten werden Bemühungen gesetzt, um Gewalt an Frauen zu bekämpfen, aber erschreckenderweise tut sich sehr wenig, im Gegenteil die Zahlen sagen uns, dass es immer schlimmer wird und der Grund dafür ist, dass wir nach wie vor in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft leben, an der Männer – aber auch Frauen – festhalten.

Über eine Freundin habe ich von einer Frau erfahren, ein Opfer von häuslicher Gewalt; das Schlimmste für sie war, dass die Nachbarn immer an Ihrer Tür geklopft haben, wenn die Kinder zu laut waren, aber nie, wenn sie von ihrem Mann geschlagen wurde.  Viel zu oft wird Gewalt in der Familie als Privatangelegenheit betrachtet: und gerade da setzt eine Kampagne wie „Orange the World“ an. Es muss uns allen bewusst sein, dass keine Form an Gewalt geduldet werden kann.

Viel zu oft sind wir in unserer Gesellschaft auch sehr schnell dabei, Ursachen für eine Gewalttat zu suchen. „Victim Blaming“ findet in den Medien, aber auch in unseren Köpfen statt.  Hier müssen wir ansetzen und  nie folgende Fragen stellen: was hatte sie an? War sie alleine unterwegs? War er betrunken? War sie betrunken? War es das erste Mal? War sie ihm untreu? War er sonst immer nett? … das ist alles irrelevant.  Gewalt ist Gewalt  und ist unter keinen Umständen zu rechtfertigen.
Gerade dieses Verhalten hält auch viele Opfer davon ab eine Anzeige zu erstatten und das geht so weit, dass Opfer am Ende selbst glauben „es nicht besser verdient zu haben“.

Einige Verhaltensmuster von Männern werden schon damit wie selbstverständlich hingenommen, weil Männer eben Männer sind. Aber dieses scheinbare Gewohnheitsrecht darf in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr finden.
Erschreckend ist die Tatsache, dass nur geschätzte 8,8 % der Frauen, die eine Vergewaltigung erlebten, Anzeige erstatten.  Ältere Untersuchungen (aus den 80er Jahren) gehen von Dunkelziffern zwischen 1:10 bis 1:25 aus. Nur 6,4 % der Frauen mit sexueller Gewalterfahrung erstatteten Anzeige.
Wir sehen, dass die Situation nicht besser wird. Im Gegenteil, junge Frauen sind mit neuen Formen der Gewalt konfrontiert. Neue Medien eröffnen neue Möglichkeiten an Gewalt. Unzählige junge Frauen sind mit „Revenge Porn“ konfrontiert. Ein Mann, erotische Fotos seiner Freundin versendet, hat von der Gesellschaft nichts zu befürchten, die abgebildete Frau aber sehr wohl!!! Frauen werden für ihr Verhalten schnell verurteilt und leichtfertig als Mittäterinnen gesehen, aber das ist alles irrelevant:  Gewalt ist Gewalt.
Das Thema Gewalt an Frauen ist heuer leider noch aktueller als sonst. Leider sind die Zahlen häuslicher Gewalt gestiegen, wobei wir von einem ganz starken Anstieg der Grauzahlen ausgehen müssen. In Zeiten der Quarantäne war und ist es vielen Frauen nicht möglich ihre Peiniger anzuzeigen. Und sie werden in Zeiten der Krise sogar noch viel resilienter.

Deswegen bin ich überzeugt, dass die Kampagne Orange the World so wichtig ist, denn Gewalt an Frauen bekämpft man in erster Linie in den Köpfen der Gesellschaft!!!

 

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