Blog der Präsidentin

eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
06.01.2022

Persönliche Visionen

vs. aktuelle Lebensrealität

Mir wird oft vorgehalten, dass ich nicht über unsere Visionen sprechen möchte, aber ich halte es diesbezüglich wie ein österreichischer Ex-Politiker, der einmal meinte, dass jemand, der Visionen hat, zu einem guten Psychiater gehen sollte. In der Zwischenzeit sind Visionen fixer Bestandteil jeder Unternehmens-Strategie geworden und auch wir Soroptimistinnen haben neben unseren Zielen auch Visionen. Nachdem es gerade einen Jahreswechsel gab und ich aus Italien komme, wo es auch Ausnahmen von den Ausnahmen gibt, werde ich hier meine ganz persönlichen Visionen für das Jahr 2022 auflisten:

§ dass mein Mann von sich aus erkennt, dass er nicht Karriere machen UND eine Familie haben hätte können, wenn ich nicht die unbezahlte Arbeit erledigt hätte;
§ dass mein Vater anerkennt und respektiert, dass meine Schwägerin lieber einem schlechter bezahlten Beruf nachgeht, als im Familienbetrieb zu arbeiten, um die Assistentin meines Bruders zu sein, so wie meine Mutter seine war;
§ dass mein Cousin seiner Frau gute Arbeit wünscht und sie sich sonst um nichts sorgen möge, während er sich ohne präzise Anweisungen um Kind, Haushalt etc. kümmert (also den bekannten Mental Load von sich aus übernimmt);
§ dass meine Freundin ihren gewalttätigen Mann verlässt (sie meint aber, dass das nicht geht, nachdem sie seit eh und je ganztags in seinem Geschäft arbeitet, aber nur geringfügig angemeldet ist, dadurch finanziell völlig von ihm abhängt und auch nicht will, dass ihre Tochter den Vater vermisst);
§ dass meine Freundin ihren Freund verlässt, den sie liebt, der aber lieber „beide Welten, die heile und die geile“ (© Annett Louisan) mag: angeblich tun das auch Frauen, allerdings kenne ich keine.

Der Global-Gender-Gap Bericht des Weltwirtschaftsforums teilt uns mit, dass wir weltweit in 133 Jahren mit Gleichbehandlung rechnen können. Bis dorthin bin ich zuversichtlich, werden sich auch meine Visionen erfüllen. Aufgrund meiner Lebenserwartung wird das für mich zwar etwas zu spät sein, aber nachdem gerade Silvester gewesen ist, werde ich mich bemühen an meinen Visionen festzuhalten und auch im Jahr 2022 daran arbeiten, etwas mehr Gleichberechtigung in meine kleine Welt zu bringen.

 

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24.11.2021

ORANGE THE WORLD – 16 Tage gegen Gewalt an Frauen

Hinschauen, hinhören, handeln! Das betrifft uns alle!

Seit 4 Jahren setzt sich Soroptimist International für die Umsetzung von der Weltweitenkampagne Orange the World ein. Seit 4 Jahren werden dank des Einsatzes der Soroptimistinnen mehrere Hundert Gebäude 16 Tage lang orange beleuchtet, aber es geht um ein Thema, das uns in Österreich leider das ganze Jahr begleitet: Gewalt an Frauen!

Die Öffentlichkeit ist heuer zutiefst entsetzt über die außerordentliche Zahl von Femiziden aber diese ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Gewalt an Frauen -- ganz besonders in Form von häuslicher Gewalt -- ist leider weit verbreitet in unserer Gesellschaft.

Wir leben in Österreich leider noch immer in einer stark patriarchalischen Gesellschaft, in der die Männer in Politik und Wirtschaft das Sagen haben, aber auch privat in vielen Fällen die Finanzen der Familie in der Hand haben, die wichtigen Entscheidungen treffen, wobei manche davon mit Frustrationen nicht umgehen können. Männer wurden lange dazu erzogen, Familienoberhäupter zu sein, mit all dem, was das mit sich brachte. Und nun?

Als Frauen wünschen wir uns eine Gesellschaft, in der es partnerschaftliche Beziehungen zwischen Mann und Frau gibt, fern von Besitzgedanken und Machtstellungen. Als Soroptimistinnen fordern wir einen Wandel der Gesellschaft: dies geht nur, wenn Frauen und Männer gemeinsam daran arbeiten und die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen schafft.

Die von Österreich schon 2013 ratifizierte Istanbuler Konvention enthält weitreichende Verpflichtungen zur Prävention, zum Schutz von Opfern und zur wirksamen Strafverfolgung. Die Vorgaben betreffen unter anderem die Schaffung adäquater Hilfseinrichtungen, die strafgerichtliche Verfolgung von Gewalthandlungen und die Unterstützung von Opfern im Strafprozess. Leider hinkt Österreich noch immer nach, auch wenn sich viel tut.

Aber die Istanbuler Konvention verpflichtet auch die Umsetzung von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung -- und da reihen wir uns ein. Wir müssen es schaffen, dass es jedem bewusst wird: häusliche und familiäre Gewalt ist keine Privatangelegenheit! Gewalt hat in unserer Gesellschaft keinen Platz! Sexuelle Übergriffe sind keine Kavaliersdelikte! Catcalling ist nicht witzig, sondern eine Überschreitung von Grenzen. Frauen müssen ohne Angst vor physischer und psychischer Gewalt leben können!

Und somit unser Aufruf: Orange the World bedeutet hinschauen, hinhören, handeln! Und das betrifft uns alle!


 

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23.06.2021

Das Feuer der ROAD TO EQUALITY

WE NEED YOU ALL!

Es ist so weit. Am Samstag, dem 26. Juni 2021, startet die ROAD TO EQUALITY und ich hoffe Ihr werdet alle daran teilnehmen.

WE NEED YOU ALL! Es ist eine österreichweite Kampagne: bitte macht alle mit und tragt das Feuer der ROAD TO EQUALITY durch Österreich!!!!

Die vier Leit-Themen, die wir in unserem Katalog mittragen: Frauen und Finanzen, Frauen und Gesundheit, Frauen und Wohnen sowie gewaltfreies Leben. Das sind die Bereiche, die den Gender Gap in Österreich noch immer ausmachen.

A) Alle Termine findet ihr auf 100jahre.soroptimist.at Unter alpenvereinaktiv.com/de/tour/100jahr-wanderung-soroptimist-international-austria/213280478/ und in der App des Alpenvereins (Alpenverein Aktiv) findet Ihr alle Routen mit den Treffpunkten und Uhrzeiten. Auf unserer Homepage unter soroptimist.at/termine.asp haben die Clubs begonnen ihre Veranstaltungen zur Staffelübergabe einzutragen.

B) Wir haben anlässlich unseres Jubiläums eine Sonderausgabe des Journals verfasst. Diese Festschrift mit Grußworten der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula Von der Leyen, des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und anderen ist ein Journal für uns, für potenzielle neue Clubschwestern, Sponsoren, Presse und alle weiteren, die sich für uns und unsere Tätigkeit interessieren.

Weiters gibt es eine Broschüre mit der Übersicht über die vier Leit-Themen und die ROAD TO EQUALITY.

C) Wir wollen über unsere ROAD TO EQUALITY berichten. Bitte führt GEHspräche und verbreitet diese über Webseiten, Social Media-Kanäle, Presse, etc. Nur wenn wir über unsere Anliegen sprechen, können wir Bewusstsein schaffen und eine Änderung bewirken.

D) Wir haben einen eigenen Wikipedia-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Soroptimist_International_Österreichische_Union

Das SOKO Team, die Koordinatorinnen und die Clubpräsidentinnen haben viel Vorarbeit geleistet: Jetzt seid Ihr dran!
Ich wünsche viel Erfolg auf der ROAD TO EQUALITY und einen schönen Sommer!!!!!
Eliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022

 

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23.03.2021

Istanbul Konvention

Wir setzen uns für Frauen ein ...

Die Istanbuler Konvention ist eines der wichtigsten Mittel zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt. Wir bedauern zutiefst den Austritt der Türkei aus diesem Abkommen, wodurch die schon prekäre Situation der Frauen in der Türkei zusätzlich gefährdet wird.
Wir fordern die Österreichische Regierung auf, sich einzusetzen, damit in anderen Länder die Rechte und die Sicherheit von Frauen gewährt wird sowie, dass die finanziellen Mitteln zur Verfügung gestellt werden, um die Umsetzung der Konvention auch hierzulande zu gewährleisten.

Soroptimist International setzt sich seit 100 Jahren für die Rechte von Frauen und Mädchen ein.


 

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01.03.2021

Barrikaden oder Blumen zum Weltfrauentag?

IWD 2021 – #ChooseToChallenge

Soroptimist International ist die weltweite größte Organisation berufstätiger Frauen und feiert heuer ihr hundertjähriges Jubiläum. Im Jahr 1921 wurde auch der Weltfrauentag erstmalig und weltweit am 08. März gefeiert.

Seit der Gründung der Soroptimistinnen hat sich viel im Bereich der Frauenrechte getan. In allen europäischen Ländern sind Frauen wahlberechtigt, die Vergewaltigung der Ehefrau ist im Straftatbestand in den Gesetzbüchern verankert und Frauen können  ihren Beruf und ihren Aufenthaltsort frei wählen – aber dennoch bedeutet Gleichberechtigung nicht Gleichstellung.
Das Bild der Frauen hat sich in den letzten hundert Jahren immer wieder verändert und damit auch die Rolle, die die Frau in der Familie, im Beruf und der Gesellschaft einnimmt.

Die noch immer vorhandenen patriarchalischen Strukturen unserer Gesellschaft bewirken  nach wie vor, dass Frauen fast das Doppelte an unbezahlter Arbeit im Haushalt, der Kinderbetreuung und für pflegebedürftigen Angehörigen erledigen als Männer. Die Folge ist oftmals, dass Frauen ihren bezahlten Beruf nur in Teilzeit ausüben, um unbezahlte Arbeiten erledigen zu können. Die Folgen daraus sind geringere Karrierechancen, finanzielle Abhängigkeit und vieles mehr. Nicht immer wurde das nur von den Männern erzwungen.

Wir müssen den Weltfrauentag insbesondere nützen, um ein allgemeines Umdenken in unserer Gesellschaft zu bewirken. Chancengleichheit, Männerkarenz, allgemeine Beteiligung an der politischen sowie unternehmerischen Führung, sowie Teilung des Aufwandes an unbezahlter Arbeit sollen eine Selbstverständlichkeit werden, auch wenn das bedeutet, dass wir Quoten fordern, um das zu bewirken, was schon seit länger als 100 Jahren eine Selbstverständlichkeit sein sollte!

Eliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022

 

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