Blog der Präsidentin

eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österreich 2020-2022 – © privat
10.10.2022

Verlängert

Themen haben wir ja genug

Eigentlich hätte mit 30. 09. 2022 meine Präsidentschaft der Union der österreichischen Soroptimistinnen zu Ende sein sollen, aber aufgrund der Änderung unserer Statuten wurde auch meine Amtsperiode, so wie die vieler Clubpräsidentinnen, um 3 Monate verlängert. Und so machen wir alle voller Elan weiter: Themen haben wir ja genug.

Gerade diesbezüglich möchte ich aber doch eine kurze ganz persönliche Überlegung teilen: als ich mich für dieses Amt beworben habe, im März 2019, habe ich in meiner Rede noch gemeint, dass es sein könnte, dass ich organisatorisch nicht immer perfekt sei, aber dass, nachdem ich aus Italien komme, ich sicher gut Krisenmanagement beherrsche … ich dachte nicht, dass mich das Schicksal so direkt beim Wort nehmen würde. Wir hatten eine Pandemie, verschiedene Lockdowns, verschiedene politische Skandale, einen Krieg, eine Wirtschaftskrise und eine Energiekrise, dazu viele internationale Ereignisse, die uns sehr betroffen gemacht haben – in der Türkei, in Polen, in Mali, in Afghanistan und im Iran und vieles mehr. Eine andauernde Situation des Krisenmanagements!

Aber eigentlich, wenn ich es mir genauer überlege, ist es meinen Vorgängerinnen sicherlich nicht anders gegangen. Wir haben seit bald 100 Jahre Soroptimismus in Österreich und ich befürchte, dass keine einzige Präsidentin bis jetzt sich zurücklehnen konnte im Gedanken, dass wir in Österreich gerade keine akuten Frauenthemen haben. Somit mein ständiger Appell: wir Frauen müssen stets ganz besonders wachsam bleiben, denn auch wenn wir glauben, gewisse Rechte erlangt zu haben, können sie uns auch wieder schnell strittig gemacht werden.

Somit verspreche ich mir und euch, dass ich mich bis zum letzten Tag meiner Präsidentschaft engagieren werde, um den soroptimistischen Zielen näher zu kommen, um dann die Präsidentschaft meiner Nachfolgerin Petra Werkowits zu übergeben. Und so bin ich sicher, dass es auch alle Clubpräsidentinnen machen werden! Wie gesagt: Themen haben wir ja genug!

 

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eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österreich 2020-2022 – © privat
26.06.2022

Die Freude, sich freuen zu können!

Endlich ist es wärmer und jede, die mich kennt, weiß, dass sobald die Sonne scheint und das Thermometer steigt, es mir gut geht. Energie und Freunde kommen von selbst und dann kommen auch noch Erfolgserlebnisse dazu, die unseren Bemühungen des letzten Jahres mehr Sinn geben.

Wir österreichischen Soroptimistinnen haben in den letzten Monaten unfassbar viel geleistet und jetzt können wir das auch – zumindest zum Teil – erfassen: ca. 200.000 Euro wurden über die Clubs und die Union aufgebracht als Hilfe für die Ukraine, zum Teil direkt in die Ukraine geschickt, zum Teil um die Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern über unsere Clubs in Ungarn, Slowakei und Moldawien zu unterstützen und zum Teil um sie in Österreich zu nützen – und da sind die unzähligen Stunden, die alle Clubschwestern aufgebracht haben, noch nicht einberechnet.

Ja, und jetzt sitze ich im Flieger am Weg zurück aus der Generalversammlung der europäischen Föderation von Soroptimist International und bringe eine besondere Auszeichnung für unsere "Road to Equality" mit, die wir genau heute vor einem Jahr gestartet haben. Soroptimistinnen aus ganz Europa haben ihre Anerkennung für unsere Arbeit im Bereich Awarness für die Themen, in denen es Gender Gaps gibt, ausgedrückt; unsere Kommunikation bewundert, die Social Media-Auftritte, die Ukraine-Hilfe und die Tatsache, dass viele unserer Clubs neue Clubschwestern aufnehmen. Und dazu konnte ich auch noch über die Neu-Erfassung unseres Archivs berichten.
Also für heute möchte ich mich nur freuen und einmal an das denken, was wir alle gemeinsam geleistet haben und dass jetzt der Sommer kommt – aber keine Sorge: ab morgen werde ich wieder umtriebig und wünsche allen eine wunderschöne sonnige Zeit!

 

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eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
20.03.2022

Männerthemen

Und der Stolz, Soroptimistin zu sein

Eigentlich hätte ich zum internationalen Weltfrauentag einen Blog schreiben wollen über Chancengleichheit und Karriere, über Teilzeitarbeit, über Vereinbarkeit von Familie und Karriere, über Gewalt an Frauen und eigentlich wollte ich über Männer schreiben. Ja, weil viele Themen, die wir haben, sind ja in Wirklichkeit Männerthemen. Männerthemen, weil es Männer gibt, die keine unbezahlte Arbeit erledigen, weil es Männer gibt, die über Jahrhunderte aufgebaute Seilschaften und Gesellschaftsstrukturen nützen, um Karriere zu machen und weil es Männer gibt, die ihre Macht durch psychische und physische Gewalt behalten. Ich hätte schreiben wollen, dass wir zum Weltfrauentag nicht nur Blumen und Schokolade wollen, sondern endlich gleiche Chancen und gleiche Lebensbedingungen fordern!

Leider bin ich nicht dazugekommen meinen Blog zu schreiben, weil mich ein anderer Mann seit dem 24. Februar fordert: Unter Vortäuschung absurder Argumente hat Wladimir Putin jungen und ahnungslosen Burschen den Befehl gegeben, in die Ukraine einzumarschieren. Politologen, Strategen, Finanzexperten und Psychologen und Ärzte spekulieren seit Wochen, was Putin bewogen hat die Ukraine anzugreifen. Eine erfahrene Freundin meinte zu mir plakativ: bei Männern dieser Art geht es immer nur um Macht!!! Ich glaube nicht, dass es Männern immer nur um Macht geht. Wir haben in den letzten Wochen eine allgemeine Welle der Solidarität erlebt, die eindeutig auch diese Grenzen sprengt.

Was aber ganz sicher feststellbar ist, ist wie Frauen unter diesem sowie unter jedem Krieg leiden. Wir sehen in Österreich eine unfassbare Zahl an geflüchteten Frauen mit Kindern und noch viel mehr Frauen sind in der Ukraine geblieben, weil sie nicht fliehen können oder nicht wollen, weil sie sich um die Versorgung von Kindern und Älteren kümmern, weil sie versuchen Infrastrukturen aufrechtzuerhalten, und dabei sind sie immer wieder das Ziel von Bomben und die ersten Opfer von Kriegsverbrechen.

So gehen meine Gedanken in diesen Tagen insbesondere an Tetiana und all die weiteren Soroptimistinnen in der Ukraine, die – auch dank unserer Unterstützung – Tausende Leute in den Bunkern, in Heimen und Krankenhäusern versorgen und an die Soroptimistinnen der angrenzenden Länder, die unermüdlich Flüchtlinge versorgen und auch immer wieder Waren in die Ukraine transportieren. Und danke auch den österreichischen Soroptimistinnen, weil sie es geschafft haben, mich stolz fühlen zu lassen eine Soroptimistin sein zu dürfen.

 

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eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
06.01.2022

Persönliche Visionen

vs. aktuelle Lebensrealität

Mir wird oft vorgehalten, dass ich nicht über unsere Visionen sprechen möchte, aber ich halte es diesbezüglich wie ein österreichischer Ex-Politiker, der einmal meinte, dass jemand, der Visionen hat, zu einem guten Psychiater gehen sollte. In der Zwischenzeit sind Visionen fixer Bestandteil jeder Unternehmens-Strategie geworden und auch wir Soroptimistinnen haben neben unseren Zielen auch Visionen. Nachdem es gerade einen Jahreswechsel gab und ich aus Italien komme, wo es auch Ausnahmen von den Ausnahmen gibt, werde ich hier meine ganz persönlichen Visionen für das Jahr 2022 auflisten:

§ dass mein Mann von sich aus erkennt, dass er nicht Karriere machen UND eine Familie haben hätte können, wenn ich nicht die unbezahlte Arbeit erledigt hätte;
§ dass mein Vater anerkennt und respektiert, dass meine Schwägerin lieber einem schlechter bezahlten Beruf nachgeht, als im Familienbetrieb zu arbeiten, um die Assistentin meines Bruders zu sein, so wie meine Mutter seine war;
§ dass mein Cousin seiner Frau gute Arbeit wünscht und sie sich sonst um nichts sorgen möge, während er sich ohne präzise Anweisungen um Kind, Haushalt etc. kümmert (also den bekannten Mental Load von sich aus übernimmt);
§ dass meine Freundin ihren gewalttätigen Mann verlässt (sie meint aber, dass das nicht geht, nachdem sie seit eh und je ganztags in seinem Geschäft arbeitet, aber nur geringfügig angemeldet ist, dadurch finanziell völlig von ihm abhängt und auch nicht will, dass ihre Tochter den Vater vermisst);
§ dass meine Freundin ihren Freund verlässt, den sie liebt, der aber lieber „beide Welten, die heile und die geile“ (© Annett Louisan) mag: angeblich tun das auch Frauen, allerdings kenne ich keine.

Der Global-Gender-Gap Bericht des Weltwirtschaftsforums teilt uns mit, dass wir weltweit in 133 Jahren mit Gleichbehandlung rechnen können. Bis dorthin bin ich zuversichtlich, werden sich auch meine Visionen erfüllen. Aufgrund meiner Lebenserwartung wird das für mich zwar etwas zu spät sein, aber nachdem gerade Silvester gewesen ist, werde ich mich bemühen an meinen Visionen festzuhalten und auch im Jahr 2022 daran arbeiten, etwas mehr Gleichberechtigung in meine kleine Welt zu bringen.

 

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eliette_ponem_rot_quer.jpgEliette Thurn, Präsidentin SI Österr. Union 2020-2022 – (c) privat
24.11.2021

ORANGE THE WORLD – 16 Tage gegen Gewalt an Frauen

Hinschauen, hinhören, handeln! Das betrifft uns alle!

Seit 4 Jahren setzt sich Soroptimist International für die Umsetzung von der Weltweitenkampagne Orange the World ein. Seit 4 Jahren werden dank des Einsatzes der Soroptimistinnen mehrere Hundert Gebäude 16 Tage lang orange beleuchtet, aber es geht um ein Thema, das uns in Österreich leider das ganze Jahr begleitet: Gewalt an Frauen!

Die Öffentlichkeit ist heuer zutiefst entsetzt über die außerordentliche Zahl von Femiziden aber diese ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Gewalt an Frauen -- ganz besonders in Form von häuslicher Gewalt -- ist leider weit verbreitet in unserer Gesellschaft.

Wir leben in Österreich leider noch immer in einer stark patriarchalischen Gesellschaft, in der die Männer in Politik und Wirtschaft das Sagen haben, aber auch privat in vielen Fällen die Finanzen der Familie in der Hand haben, die wichtigen Entscheidungen treffen, wobei manche davon mit Frustrationen nicht umgehen können. Männer wurden lange dazu erzogen, Familienoberhäupter zu sein, mit all dem, was das mit sich brachte. Und nun?

Als Frauen wünschen wir uns eine Gesellschaft, in der es partnerschaftliche Beziehungen zwischen Mann und Frau gibt, fern von Besitzgedanken und Machtstellungen. Als Soroptimistinnen fordern wir einen Wandel der Gesellschaft: dies geht nur, wenn Frauen und Männer gemeinsam daran arbeiten und die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen schafft.

Die von Österreich schon 2013 ratifizierte Istanbuler Konvention enthält weitreichende Verpflichtungen zur Prävention, zum Schutz von Opfern und zur wirksamen Strafverfolgung. Die Vorgaben betreffen unter anderem die Schaffung adäquater Hilfseinrichtungen, die strafgerichtliche Verfolgung von Gewalthandlungen und die Unterstützung von Opfern im Strafprozess. Leider hinkt Österreich noch immer nach, auch wenn sich viel tut.

Aber die Istanbuler Konvention verpflichtet auch die Umsetzung von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung -- und da reihen wir uns ein. Wir müssen es schaffen, dass es jedem bewusst wird: häusliche und familiäre Gewalt ist keine Privatangelegenheit! Gewalt hat in unserer Gesellschaft keinen Platz! Sexuelle Übergriffe sind keine Kavaliersdelikte! Catcalling ist nicht witzig, sondern eine Überschreitung von Grenzen. Frauen müssen ohne Angst vor physischer und psychischer Gewalt leben können!

Und somit unser Aufruf: Orange the World bedeutet hinschauen, hinhören, handeln! Und das betrifft uns alle!


 

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